Nachhaltigkeit darf kein bloßer Nachtrag sein
Regulatorischer Ausblick auf PFAS und klimaschädliche Löschmittel
Die globale regulatorische Landschaft für Brandschutzchemikalien wandelt sich rasant. Was einst Standard war – die Installation von Systemen auf Basis weit verbreiteter Mittel wie FK-5-1-12 und HFC-227ea –, steht heute aufgrund von Umwelt- und Klimabedenkenunter Beobachtung.
Mittel wie FK-5-1-12 und HFC-227ea (im Handel als Novec 1230 bzw. FM-200 bekannt) sehen sich von mehreren Seiten wachsendem regulatorischem Druck ausgesetzt. Durch Rahmenwerke wie das Kigali-Abkommen, REACH sowie nationale Gesetze wie die EU-F-Gas-Verordnung und den U.S. AIM Act sind Zeitpläne für die schrittweise Reduzierung und das Verbot bereits in Kraft. Verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass 3M angekündigt hat, die Produktion von Novec™ 1230 bis Ende 2025 einzustellen.
Diese Entwicklungen markieren einen grundlegenden Wandel in der Bewertung von Brandschutzmitteln – nicht mehr nur hinsichtlich ihrer unmittelbaren Leistung, sondern auch im Hinblick auf ihre Umweltauswirkungen und langfristige Zukunftsfähigkeit.
Wichtige regulatorische Treiber
Kigali-Änderung des Montrealer Protokolls
Die 2016 verabschiedete und 2019 in Kraft getretene Kigali-Änderung zielt auf teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW) aufgrund ihres hohen Treibhauspotenzials ab. Die Länder haben sich darauf geeinigt, die Produktion und den Verbrauch von HFKW in den nächsten 30 Jahren schrittweise um mehr als 80 % zu reduzieren. Industrieländer, darunter die EU und die USA, begannen bereits 2019 mit den Reduzierungen, während Entwicklungsländer ab 2024 oder 2028 nach unterschiedlichen Zeitplänen folgen. Eine vollständige Umsetzung könnte die globale Erwärmung bis 2100 um bis zu 0,5 °C begrenzen.
REACH (Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe)
Die von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) verwaltete REACH-Verordnung zielt darauf ab, den Schutz von der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor Risiken durch Chemikalien zu verbessern. In diesem Rahmen werden PFAS-Substanzen wie FK-5-1-12 aufgrund ihrer Persistenz und Bioakkumulation auf eine mögliche Beschränkung hin geprüft. Ein umfassender Vorschlag zur Beschränkung von PFAS wird derzeit diskutiert.
EU-F-Gas-Verordnung
Die Verordnung (EU) Nr. 517/2014 regelt fluorierte Treibhausgase und schreibt ein Quotensystem sowie einen schrittweisen Ausstiegsplan vor. Eine Überarbeitung im Jahr 2024 sieht strengere Verbote vor: Neue Anlagen, die HFC-227ea (ein F-Gas, auch bekannt als FM-200) verwenden, könnten bereits ab 2026 verboten werden, mit einem vollständigen Ausstieg bis 2032. Die Verordnung unterstützt das übergeordnete Ziel der EU, bis 2050 klimaneutral zu sein.
U.S. AIM Act (American Innovation and Manufacturing Act)
Der 2020 verabschiedete AIM Act ermächtigt die EPA, die Produktion und den Verbrauch von HFKW bis 2036 um 85 % zu reduzieren. Er umfasst Handelsprogramme für Emissionsberechtigungen und erlaubt der Behörde, bestimmte Substanzen sektorspezifisch zu beschränken. HFC-227ea ist von diesen Maßnahmen betroffen, wobei mit sektorspezifischen Verboten und Einschränkungen zu rechnen ist.
Warum dies für Planer und Gebäudeeigentümer wichtig ist
Obwohl diese Mittel derzeit noch weit verbreitet sind, ist ihre zukünftige Verfügbarkeit zunehmend ungewiss. Projekte, die heute mit FK-5-1-12 oder HFC-227ea geplant werden, könnten mit folgenden Problemen konfrontiert sein:
- Unklare Gesamtbetriebskosten, da die Verfügbarkeit sinkt und die Handhabungskosten steigen
- Inkompatibilität mit zukünftigen ESG- und Beschaffungsrichtlinien
- Installationsverbote oder Nachrüstungsdruck innerhalb weniger Jahre
- Komplexe und kostspielige Entsorgungsverfahren gemäß den Entsorgungsvorschriften für PFAS und Treibhausgase (THG)
Angesichts dieser Herausforderungen ist es unerlässlich, über Altsysteme hinauszublicken und Lösungen zu evaluieren, die auf langfristige Compliance und ökologische Verantwortung ausgelegt sind.
Ein Weg in die Zukunft: Nachhaltige Löschmittel ohne Kompromisse
Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen stellen einige Unternehmen bereits auf PFAS-freie Alternativen um, wie zum Beispiel aerosolbasierte Feuerlöschsysteme. Im Gegensatz zu gasförmigen Löschmitteln kommen kondensierte Aerosolsysteme ohne Druckbehälter, fluorierte Chemikalien oder komplexe Rohrleitungsnetze aus.
DSPA-Aerosolsystemeverwenden beispielsweise einen Feststoff, der bei Aktivierung eine dichte Wolke aus feuerlöschenden Partikeln erzeugt. Diese Technologie bietet:
- Null GWP und null ODP
- Keine PFAS
- Lange wartungsfreie Lebensdauer (bis zu 15 Jahre)
- Skalierbares Design sowohl für Neubauten als auch für Nachrüstungen
- Kompaktes Format für den Einsatz in dezentralen Architekturen, wie zum Beispiel:
- Kabeltunnel
- BESS-Räume
- Schaltschränke
Da der Druck wächst, Brandschutzmaßnahmen mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen, stellt kondensiertes Aerosol eine pragmatische und bewährte Option dar.
Fazit
Nachhaltigkeit darf bei der Systemplanung kein zweitrangiger Aspekt mehr sein. Angesichts sich wandelnder Vorschriften und des auslaufenden Supports für herkömmliche Chemikalien ist es an der Zeit, Brandschutz zukunftssicher zu machen mit Löschmitteln, die nicht nur Leben und Sachwerte schützen, sondern auch die Umwelt.














